Kontenmodelle für Paare

Geld kann in der Liebe, selbst wenn es super läuft, für ziemliche Spannungen sorgen – jeder Mensch verdient schließlich verschieden viel, gibt sein Geld verschieden aus und spart verschieden viel. Außerdem kann Geld auch Einfluss auf die Machtverteilung in einer Beziehung haben. Es ist also eine Überlegung wert, wie man in einer Beziehung damit umgeht. Besonders drängend wird die Frage, wenn man zusammenzieht: man hat dann einen gemeinsamen Haushalt, will aber trotzdem nicht plötzlich darüber streiten, was man kaufen darf und was nicht 😛 Ich habe mich einmal in meinem Freundeskreis umgehört und verschiedene Kontenmodelle mit ihren Vor- und Nachteilen zusammengetragen.

Ein Konto

Wenn du und dein(-e) Partner(-in) euch als wirtschaftliche Einheit betrachtet, ist ein gemeinsames Konto eine mögliche Lösung. Die Vorteile sind, dass der Überblick leichtfällt und kein Geld hin- und hergeschoben werden muss. Auch die Frage nach anteiligem Beitrag zu den Haushaltskosten erübrigt sich. Die Nachteile sind aber: ihr müsst kompromissbereit sein und Ausgaben eventuell voreinander rechtfertigen (wie, du hast 50 Euro für Fantasyromane ausgegeben?!). Man kann im Budget aber jeweils ein kleines Freizeitbudget für jeden Partner einräumen – das ist dann ein gewisser Betrag, den jeder ohne Rechtfertigung für seinen Spaß ausgeben kann. Es könnte auch problematisch sein, wenn ein Partner dominant ist und anfängt, vorzuschreiben, wie euer Geld ausgegeben werden darf. Außerdem entstehen Probleme, falls ihr euch trennt: wer behält dann das Konto, wer eröffnet ein neues? Wie geht man mit gemeinsamen Ersparnissen um? Es ist übrigens auch bei einem gemeinsamen Konto sehr wohl möglich, die monatlichen Ersparnisse ganz oder teilweise aufzusplitten.

Zwei Konten

Jeder behält sein Konto. Gemeinsame Kosten werden aufgesplittet oder verteilt (einer zahlt die Miete, der andere Einkäufe o.ä.). Am Ende des Monats kann man dann gucken, ob einer mehr bezahlt hat als vereinbart (wenn z.B. die Einkäufe diesen Monat höher waren als gewöhnlich), und dann Ausgleichszahlungen machen. Man kann Kosten entweder 50:50 aufteilen oder, wenn einer mehr verdient, sich auf eine dem entsprechende Aufteilung einigen. Die Vorteile hierbei sind, dass jeder Partner noch mehr allein über sein Geld bestimmt und bei einer Trennung nichts aufgeteilt werden müsste. Die Nachteile sind der höhere Arbeitsaufwand und vielleicht auch die Notwendigkeit, immer wieder neu über eine faire Kostenverteilung zu sprechen. Ich habe Freundinnen, die sich mit dieser Methode am wohlsten fühlen, weil sie eben ihr eigenes Geld ganz frei so ausgeben können, wie sie mögen – und sie finden es so auch fairer, weil sie z.T. viel mehr als ihre Partner ausgeben (für Make Up, Wellness usw.).

Drei Konten

Der (häufig genutzte) Mittelweg ist, dass jeder Partner ein eigenes Konto hat und zusätzlich noch ein gemeinsames Konto besteht. Entweder überweisen beide einen festen Betrag auf das gemeinsame Konto (auch hier geht eine 50:50-Aufteilung genauso wie eine gemäß Gehaltsunterschied), von dem dann nur gemeinsame Kosten wie Miete gezahlt werden. Oder das gemeinsame Konto ist das Hauptkonto, von dem das meiste bezahlt wird, und ein fester Betrag oder das, was am Monatsende übrig bleibt, kommt dann auf die einzelnen Konten. Von diesem Geld decken die Partner dann Kosten, die jeweils nur sie einzeln interessieren (Handyverträge, Freizeitausgaben etc.). Bei dem Modell bleiben Ersparnisse meist getrennt. Dieser Mittelweg hat die Vor- und Nachteile der zuvor genannten Modelle in abgeschwächter Form: man hat einerseits einen leichten Überblick über alle Haushaltskosten, trotzdem wird noch etwas Geld hin- und hergeschoben. Einen Teil seines Geldes kann jeder Partner ausgeben, ohne sich rechtfertigen zu müssen.

Außerdem ist hier noch ein Wort der Warnung angebracht: Achte bei aller Liebe (oder gerade deshalb!) darauf, nicht über den Tisch gezogen zu werden: Falls ihr ein gemeinsames Konto haben wollt, lass deinen Namen mit eintragen, sonst bekommst du bei einer Trennung vielleicht gar nichts von dem Geld darauf; Falls du weniger verdienst und dein(-e) Partner(-in) eine größere Wohnung haben oder immer schick ausgehen will, bestehe darauf, dass du nicht die Hälfte der Kosten tragen musst; Wenn dein(-e) Partner(-in) sagt, er/sie trägt einfach die Fixkosten und du alles andere, check trotzdem, ob das eine faire Verteilung ist; Und lass dir niemals ein schlechtes Gewissen dafür einreden, wieviel du verdienst und wofür du es wirklich gerne ausgibst (krankhaftes Kaufverhalten zählt hier aber nicht!).

Geld kann für (zusammen wohnende) Paare ein Streitthema sein. Umso wichtiger ist also, dass man offen darüber redet und rechtzeitig überlegt, wie man damit umgehen möchte!

Meine persönliche Erfahrung

Ich habe mit meinem Partner, seit wir zusammenwohnen, ein gemeinsames Hauptkonto, von dem am Ende jeweils die Hälfte auf unsere persönlichen Konten geht für eigene Ausgaben und zum Sparen. Wir möchten aber in den kommenden Monaten auf ein einziges gemeinsames Konto umsteigen (die Ersparnisse bleiben getrennt), weil wir relativ ähnlich mit Geld umgehen und ähnlich viel ausgeben, sodass es da wenig Streitpotenzial gibt (außer wenn ich wieder zu oft zum Bäcker gehe 😉 !!!). Außerdem haben wir uns immer wieder dabei ertappt, Geld dann doch eher vom gemeinsamen Konto zu nutzen („Du hast einen Döner gegessen? Naja, das zählt dann noch zum normalen, gemeinsamen Essensbudget“ – „okay, aber dann zahlen wir dein Unibuch auch vom gemeinsamen Konto, du brauchtest es ja“ etc.). Also wurden unsere eigenen Konten Stück für Stück praktisch ungenutzt.

Ich denke, dass es bei der Wahl eines Kontenmodells für ein Paar (mal wieder!) kein Richtig und Falsch gibt. Es ist weder Zeichen einer fantastischen Beziehung, wenn ihr ein gemeinsames Konto habt, noch Zeichen einer kriselnden, wenn ihr zwei Konten habt – schließlich kommen in einer Beziehung sehr verschiedene Charaktere in sehr verschiedenen Situationen zusammen: manche verdienen gleich viel, manche sehr unterschiedlich – manche geben gleich viel Geld für ähnliche Dinge aus, andere sehr unterschiedlich – manche wollen alles teilen und verbinden, andere möchten mehr Unabhängigkeit. Hauptsache, ihr redet offen und ehrlich über das Thema 😉

Wie denkst du über die Kontenmodelle? Hast du schon Erfahrungen gemacht?

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