Von der Bedeutung eines Notgroschens

Geld interessiert mich – und dich vermutlich auch – nicht um seiner selbst willen, sondern weil es uns materielle Dinge und Erfahrung verschafft und (noch viel wichtiger) unsere Lebenssituation ganz maßgeblich beeinflusst: bin ich selbstständig und unabhängig? Kann ich unbesorgt sein, wenn plötzlich die Waschmaschine kaputtgeht oder ich gefeuert werde? Ich erinnere mich noch sehr gut an ein Gespräch mit einem Kumpel, der, weil er relativ unerwartet einige hundert Euro mehr verdient hatte, von dem Musikinstrument erzählte, dass er sich jetzt natürlich zulegen werde. Auf meine Frage, ob er denn das Geld oder einen Teil davon nicht lieber sparen wollte, sagte er ungefähr: „Wieso, ich hab doch ein paar hundert Euro auf dem Konto!“ Bei dieser Aussage gibt es, auch wenn ich damals zu feige zum Antworten war, meines Erachtens ein Problem.

Ein paar hundert Euro klingen nach viel Geld – aber reichen sie aus, wenn etwas (die Waschmaschine, ein Möbelstück oder sogar dein Auto) kaputtgeht, wenn dein vielleicht vorhandener Kater eine Socke verschluckt und notoperiert werden muss, wenn dir selbst gesundheitlich etwas zustößt und die Krankenkasse nicht alles übernimmt, wenn du einen Anwalt brauchst oder eine deiner Einkommensquellen plötzlich wegfällt….ich könnte ewig so weitermachen. Stell dir vor, du musst aus finanzieller Abhängigkeit in einer Beziehung bleiben oder deine Eltern um Hilfe bitten, woraufhin sie sich in dein Leben einmischen – das ist doch schrecklich (hab euch lieb, Mama und Papa!).

Das ist der Grund, warum dein allererstes Sparziel ein Notgroschen sein sollte. Es ist wirklich toll, wenn du sparst und Geld z.B. irgendwo anlegst, wo es mehr Zinsen einbringt – aber diese Ersparnisse schenken dir weder Sorglosigkeit noch Unabhängigkeit, wenn du nicht vorher einen leicht verfügbaren Notgroschen angespart hast (wenn du angelegtes Geld plötzlich doch brauchst, ist das oft auch mit Kosten verbunden!). Die meisten Finanzratgeber (so auch das von mir angepriesene, leider nur auf Englisch erhältliche Buch The Financial Diet) empfehlen, mindestens für drei Monate zu sparen.

Das bedeutet, dass du dir überlegen musst, wieviel du monatlich mindestens ausgibst (d.h. deine Fixkosten + das Minimum an variablen Ausgaben pro Monat), und diese Summe dann mal drei nehmen musst: das ist die Summe deines Notgroschens, die irgendwo auf einem Tagesgeldkonto oder anderswo leicht zugänglich liegen muss (besser aber nicht auf deinem Girokonto, da könnte die Versuchung zu groß sein, das Geld einfach wieder auszugeben). Wenn du diese Summe hast, kannst du, selbst wenn deine Haupteinnahmequelle wegbricht, bis zu drei Monate weitermachen (und in Ruhe einen neuen Job suchen, dich von einer Krankheit erholen etc.). Wenn du diese Summe hast, DANN kannst du Geld unbesorgt anlegen.

Bitte hab keine Panik, wenn dich die Höhe der Summe jetzt erst einmal umhaut! Ich hab auch über ein Jahr gebraucht, um dieses Ziel zu erreichen. Vielleicht fällt es dir leichter, wenn du dir das ganze in Etappen vorstellst – auch einen Notgroschen von 1000 Euro zu erreichen, ist schon einmal ein Meilenstein und eine erste Absicherung. Vergiss nicht, deinen Notgroschen anzupassen, wenn sich dein Leben verändert. Brauchst du zum Beispiel für dich allein 700 Euro im Monat, hast also einen Notgroschen von 2100, dann ändert sich die Lage, wenn du dir einen Kater besorgst (man denke an die Notoperationen wegen verschluckter Socken, aber auch an neue monatliche Fixkosten wie Katzenfutter), für einen neuen Job ein Auto brauchst (man denke an Reparaturen, aber auch neue Fixkosten wie Versicherung und Benzin) etc.

Wie denkst du darüber? Hast du bereits einen Notgroschen angespart?

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3 Gedanken zu “Von der Bedeutung eines Notgroschens

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